Heute geht es ums weitere Konfliktthema im Nahostkonflikt - das Problem der Araber, die aus Israel im Jahre 1948 flohen oder vertrieben wurden. Wie immer, betrachte ich es aus Sicht der realisierten Doppelhauptstadtlösung.
Zuerst beginnen wir mit dem Argument, das Palästina dazu bringt, dieses Problem überhaupt zum Konfliktthema werden zu lassen. Dieses liegt in Israel selbst - genauer, in dem als Rückkehrgesetz bekannten Gesetz. Das Rückkehgesetz besagt, dass alle Juden nach Israel einwandern dürfen. Der Name stammt daher, dass Israel die historische Heimat des jüdischen Volkes ist.
Nun, das Hauptargument der Palästinenser ist, dass das Gesetz rassistisch sei und man eigentlich jedem, der jemals in Israel lebte, die Rückkehr erlauben muss, ob Jude oder Araber. Zu diesem Rassismusvorwurf wird oft hinzugefügt, kein Land hätte ähnliche Gesetze.
Nun, ähnliche Gesetze haben viele Länder. Man muss nicht weit schauen - Deutschland hat ein solches (Stichwort Spätaussiedler/Russlanddeutsche). Unser Nachbarland Polen hat das Recht jedes Menschen polnischer Abstammung in Polen zu leben sogar in der Verfassung gefestigt. Und Russland gibt jedem russischer Abstammung die russische Staatsbürgerschaft. Die Beispiele sind nicht alle. Volle Liste der Länder, die ein "ethnisch begründetes" Recht auf Einwanderung haben, würde selbst einnen Blogeintrag ausmachen. Niemand beschuldigt diese Länder des Rassismus. Und in Israel ist dieses Volk, das z.B. Deutschen in Deutschland entspricht - Juden.
Jetzt, wo der Rassismusvorwurf entschärft ist, kommen wir zur Rückkehr an sich. Ich frage mich immer: warum sollen Araber, die vor 1948 in Israel wohnten, nach Israel zurückkehren, wenn es den Staat Palästina geben wird und dieser Staat ein eigenes Rückkehrgesetz erlassen kann? Warum nicht nach Palästina zurückkehren, wo sie auch ethnisch "hineinpassen". Mal ein Vergleich: niemand will doch, dass die Russlanddeutschen nach Stettin oder Breslau einwandern. Obwohl es ja durchaus sein kann, dass ihre Vorfahren in diesen nicht-mehr-deutschen Städten lebten. Warum also Einwanderung arabischer Rückkehrer ins nicht-mehr-arabische Israel im Falle der realisierten Doppelhauptstadtlösung?
Man muss freilich gestehen, dass Palästina zur Zeit nicht aufnahmefähig wäre. Nicht nur weil der Gazastreifen die dichtestbesiedelte Region der Welt ist, sondern auch weil die wirtschaftliche Situation in Palästina - wenn man es von Israel trennt - miserabel ist. Aber daran müssen Palästinenser arbeiten. Das ist eigentlich das erste, woran Palästina nach der Unabhängigkeit ran muss - Schaffung der Infrastruktur und der Wirtschaft. Gleich dabei gibt es dann auch Arbeit. In vielleicht 30-50 Jahren (hängt davon ab, wie gut es in Palästina mit wirtschaftlichem Aufschwung klappt) können dann wünschende Flüchtlinge aufgenommen werden. Im ganzen Palästina, einschließlich der Doppelhauptstadt (im letzten Fall muss aber ihre Heimat vor der Flucht in Jerusalem gelegen haben - wie gesagt, Jerusalem wird in meiner Lösung zu einem besonderen Ort mit besonderen Regeln).
Das ist meine Sicht auf das Flüchtlingsproblem. Bleibt eine Sache zu klären, nämlich der Titel dieses Eintrags, der einige Leser sicher etwas verwirrt hat. Im Englischen gäbe es dieses Problem nicht - sowohl "palästinensisch" als auch "palästinisch" heißt dort "Palestinian". Im Deutschen sind beide Begriffe unterschiedlich und beide nur teilweise korrekt, wenn auf die Flüchtlinge, um die es hier geht, angewandt:
"Palästinensisch" steht entweder für "dem Staat Palästina zugehörig" oder für "dem Volk der Palästinenser zugehörig". Im Jahre 1948 gab es dieses Wort nicht, da es den Staat Palästina bis heute nicht gibt (und die Flüchtlinge flohen ja aus Israel, nicht aus dem zukünftigen Palästina!) und das Volk der Palästinenser erst rund um die Zeit der Entstehung der PLO diesen Namen bekam - vorher betrachtete man sich als "palästinische Araber". Allerdings betrachten sich viele Flüchtlinge und ihre Nachkommen heute als Palästinenser, so dass das Wort teilweise korrekt ist.
"Palästinisch" steht für "der Region Palästina zugehörig". Seit dem 20. Jahrhundert wird die Region Palästina meist mit dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina gleichgesetzt, das aus heutigen Israel, Palästina und Jordanien bestand. Als "Palästinier" bezeichnet man alle Einwohner dieser Region, unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. Die Flüchtlinge waren sicher palästinisch. Doch einige von ihnen werden es sicher unschön finden, mit Juden in einem Topf geworfen zu werden (nicht etwa aus antijudaischen (*), sondern aus Identitätsgründen), so dass ich als Kompromisslösung "palästinensisch/palästinisch" verwendet habe - beides ist irgendwie korrekt und trifft doch nicht der Kern. "Arabisch-palästinisch" wäre vielleicht eine Lösung, der Begriff ist aber zu ungebräuchlich.
AlexMagnus
(*)Hier hat man wieder ein linguistisches Problem, denn "antijudaisch" heißt "gegen das Judentum (als Religion) gerichtet", während "antisemitisch" auch falsch ist, da Araber auch Semiten sind. Für "gegen Juden gerichtet" gibt es kein Wort. Bei nächster Notwendigkeit verwende ich das Wort "judenfeindlich".